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Die Sitzhaltung

Fast alle Meditationen haben einen Teil, in dem man still sitzt. Einige sind nur stilles Sitzen wie Vipassana oder ZaZen. Hier wird die Sitzhaltung sehr wichtig.

Uns Europäern fällt es ziemlich schwer, auf dem Fußboden mit untergeschlagenen Beinen und aufrechtem Oberkörper und womöglich noch ohne Rückenstütze zu sitzen. Im Gegensatz zu Asiaten, die im täglichen Leben sehr oft so auf dem Boden sitzen und daher an diese Sitzhaltung von Klein auf gewöhnt sind, müssen wir sie als ungelenkige Erwachsene neu erlernen. Deswegen ist es für uns angesagt, zunächst einmal überhaupt eine Haltung zu finden, in der Sitzen auch für längere Zeit möglich ist, ohne sich völlig zu verkrampfen. Auch später werden immer wieder Phasen kommen, wenn tiefere Bereiche des Unbewussten erreicht werden, in denen Körperschmerzen besonders im Wirbelsäulenbereich auftreten.

Bevor die Meditation zu einem einzigen Kampf mit oder gegen die körperlichen Probleme wird, sollte man sich lieber auch einmal einen Stuhl erlauben und wirklich bequem sitzen. So unterstützend und schön ein klassischer Lotussitz ist, wichtiger ist das Hinkucken und Beobachten, das Loslassen und Integrieren, das Bewusstwerden auch im Unbewussten.

Hat man keine Probleme mit seinem Körper und dem Sitzen, dann gibt es natürlich ideale Sitzpositionen für die stille Meditation, besonders den oben genannten buddhistischen Lotussitz. Die Knie werden zur Seite gelegt, die Unterschenkel gekreuzt und die Füße auf die Oberschenkel geschoben. Der Beckenbereich sollte entspannt sein, so dass die Knie so weit wie möglich nach unten fallen können. Gleichzeitig streckt sich die Wirbelsäule und der Kopf ruht im Gleichgewicht. So kann die Energie vom unteren Ende der Wirbelsäule, einem besonderen Bewusstseinsknoten, ungehindert durch alle Energiezentren bis in den Kopf fließen. Bei anderen Haltungen wird der Energiefluss leicht blockiert und man wird unbewusst. Leider ist kaum ein Europäer in der Lage so zu sitzen, außer man hat sehr lange Übungen gemacht, z.B. Yoga.

Aber es geht auch mit ähnlichen, leichteren Haltungen. Und merkt man, dass man müde wird, sich in Gedanken verliert oder träumt, setzt man sich einfach wieder gerade auf, atmet tief durch und wird wach, ein bisschen schärfer im Mind. Sauerstoff ist wichtig für die Gehirnfunktionen, das Beobachten und Wachsein.

Gibt man zu viel Energie in die Körperhaltung, hat man keine mehr zum Kucken übrig und die Meditation wird zur Fitnessübung. Auch mit einem verkrampften Körper kann man nicht meditieren und schließlich projizieren sich innere Kämpfe und Konflikte auf den Körper und werden nur noch ausagiert. Keine Transformation kann mehr stattfinden.

Das andere Extrem, Hinlegen, ist ebenso problematisch. Die meisten Menschen werden im Liegen sofort unbewusst. Zum einen, weil sie das Liegen am Boden mit starken negativen Erlebnissen verbinden wie Unterlegenheit, Niederlage, Opfer. Das sind starke Assoziationen. Zum anderen wegen des täglichen Automatismus von Hinlegen und Einschlafen. Also geschieht es so auch in der Meditation - man legt sich hin und wird unbewusst und deshalb macht man es dann auch. Das bedeutet aber, wenn man sich in der Meditation hinlegt, kann man ebenso gut hinausgehen.

Sitzt man wach und entspannt und ist der Energiefluss ungehindert, baut sich eine Energiesäule auf, die direkt in das Innere, die Bewusstseinsvertikale, führt. Hier gibt es unzählige Erfahrungen, Erlebnisse, Erkenntnisse zu finden und auch Stille und Nichts - die inneren Schätze.